Grundlegendes

Die Sendung des Jesuitenordens und somit auch seiner Kollegien besteht im „Dienst am Glauben, der die Förderung der Gerechtigkeit notwendig mit einschließt“ (NC, 1,4, 1-2). Glaube und Gerechtigkeit , Mitgestalten und Kultur stehen dabei nicht wie unterschiedliche Bereiche nebeneinander, sondern greifen ineinander. Dieser Dienst gründet in der Überzeugung, dass jeder Mensch ein Ebenbild Gottes (Gen 1,26) ist und deswegen eine unantastbare Würde hat. Die Seelsorge, das iuvare animas bzw. die cura personalis an Jesuitenkollegien dient dieser Würde jeder Person im Kolleg. Alle Werke des Ordens, auch die Kollegien, stehen im Dienste dieser Sendung. In Jesuitenschulen und -internaten wird der Sinn für Gerechtigkeit geweckt und wachgehalten: „Mit besonderer Entschiedenheit müssen wir uns darum mühen, alle unsere Schülerinnen und Schüler so zu erziehen, dass sie sich für den Aufbau einer gerechteren Welt einsetzen und lernen, mit anderen und für andere zu arbeiten“ (NC VII, 5a (279), §1). Die Frage nach der Gerechtigkeit ist im Evangelium mit der Hinwendung zu den „Armen“ verknüpft. „Arm“ sind alle Menschen, die von der Teilhabe am Reichtum der Schöpfung und von der vollen Zugehörigkeit zur Gemeinschaft ausgeschlossen werden. Armut bedeutet also Verletzung der Würde. Die Armen sind die Entwürdigten. Wenn Jesuitenpädagogik junge Menschen dahin führen will, „Menschen für andere“ zu sein, dann ist damit nicht nur ein besonderes Dasein für die Armen durch Einsatz für soziale Gerechtigkeit gemeint, sondern noch grundlegender ein „Mit-sein“ mit ihnen auch und gerade im eigenen Kontext der Schule („arm“ in diesem Sinne sind im schulischen Bereich dann genau diejenigen Mitschüler(innen), die Ausgrenzung, Demütigung, Gewalt oder Missbrauch erfahren), um ihre Perspektive einzunehmen, von ihnen zu lernen und eine Änderung dieser Verhältnisse herbeizuführen.